Echte Geschichten in Zeiten von KI: Über die Zukunft des Outdoor-Films
Im Gespräch mit EOFT-Programm Managerin Paula Flach
Im Interview spricht EOFT-Programm Managerin Paula Flach über 25 Jahre European Outdoor Film Tour, den Wandel der Filmkultur, KI und warum der Mensch im Zentrum steht.
Kannst du dich noch an deine erste EOFT erinnern?
Meine allererste Berührung mit der EOFT war im Fernsehen, weil es damals eine Kooperation mit 3sat gab. Ich habe die Filme gesehen und dachte, das sind richtig gute Dokumentationen. Ich wollte sofort wissen, wer dahintersteckt.
An welche Phasen denkst du, wenn du auf die letzten 25 Jahre EOFT blickst?
Ich erlebe die EOFT bewusst seit 2013. Diese Zeit war geprägt von Wachstum. Die Zuschauerzahlen stiegen, die Filme wurden größer, und auch das Genre wurde sichtbarer. Ein wichtiger Moment war, als der Kletterfilm „Free Solo“ einen Oscar gewonnen hat. Da konnte man sehen, dass Outdoor-Film endgültig im Mainstream angekommen ist und das hätte ich mir vor 25 Jahren nie vorstellen können: die Geschwindigkeit der Entwicklung und dass aus Subkultur etwas wird, was eine breite Masse begeistert. Dann kam 2020 mit Corona ein großer Einschnitt. Wir leben davon, Menschen in Räumen zusammenzubringen. Plötzlich war genau das nicht mehr möglich.
Was war für dich persönlich ein Highlight?
Eine Begegnung, die mir sehr im Gedächtnis geblieben ist, war die mit dem Ausnahmekletterer Kyle Dempster. Wir hatten ein Gespräch darüber, was Outdoor-Filme eigentlich bewirken sollen. Ich hatte die These, dass die Protagonist:innen stellvertretend etwas für uns ausleben, was wir selbst nie tun würden. Kyle aber wollte auf keinen Fall dieser Stellvertreter sein. Er wollte nicht, dass die Leute sein Leben nur konsumieren - sondern dass sie selbst rausgehen, selbst etwas erleben. Das hat meine Sicht auf meine Arbeit und die Filmauswahl nachhaltig geprägt.
Leider ist Kyle einer der Menschen, die wir verloren haben. [Anm. d. Red.: Kyle Dempster verunglückte im August 2016 am Baintha Brakk II (6980m) in Pakistan]. Und das gehört auch dazu: Ich habe eine Reihe Nummern in meinem Handy, unter denen ich niemanden mehr erreiche. Das sind EOFT-Athlet:innen, mit denen wir mal zusammengearbeitet, deren Geschichten wir gefeiert haben - und die nicht mehr leben, eben weil sie dieses Leben gelebt haben.
Was macht die EOFT aus, egal was sich verändert?
Der Mensch stand immer im Mittelpunkt. Natürlich gehören Landschaften, starke Bilder und sportliche Action dazu. Aber das, was bleibt, ist ein Mensch, der etwas durchlebt, das mich bewegt. Dieser emotionale Kern hat sich nie verändert. Im Gegenteil: Er ist über die Jahre noch stärker geworden und das Programm hat an Tiefe gewonnen.
Wie hat sich die Filmkultur verändert?
Sie ist vielseitiger und demokratischer geworden. Früher brauchte man oft einen Helikopter und große Kameras, um in den Bergen zu filmen. Heute können viel mehr Menschen Filme machen, mit Drohnen und kleinerer Technik. Einerseits ist das Feld dadurch größer und vielseitiger geworden. Andererseits werden auch viele Filme produziert, die nicht ausreichend Qualität haben. Ein guter Film braucht Zeit. Am Ende bleibt für uns entscheidend, dass die Geschichte gut ist. Nicht die spektakulärste Aufnahme macht einen Film stark, sondern das, was erzählt wird. Diversität und Repräsentation sind wichtiger geworden, aber sie passieren nicht von selbst. Wir müssen sie aktiv suchen, einfordern und ernsthaft umsetzen.
Wenn der menschliche Kern fehlt, merkt man das sofort.
Was für Herausforderungen gibt es?
Wir merken immer häufiger, dass Texte oder Voiceovers mit KI erstellt wurden. Oft fühlt sich das leer an und die Filme beginnen sich zu ähneln. KI kann dort helfen, wo sie den Prozess unterstützt - aber sie darf Kreativität nicht ersetzen. Wenn der menschliche Kern fehlt, merkt man das sofort.
Was macht die EOFT für dich zu mehr als nur einer Filmveranstaltung?
Die EOFT ist ein gemeinschaftliches Erlebnis. Viele Menschen haben sie als festen Termin im Kalender und ein EOFT-Fan kommt selten allein. Das ist heute wichtiger denn je. Wir verlieren uns oft in Screens und erleben die Welt vereinzelt. Die EOFT schafft einen Raum, in dem Menschen gemeinsam etwas erleben. Menschen, die ein Interesse teilen: an Natur, Sport und echtem Leben.
Was wünschst du dir für die Zukunft der EOFT?
Ich wünsche mir, dass die EOFT ein Ort der Vielfalt bleibt. Gerade in der aktuellen politischen Situation ist es wichtig, Räume zu schaffen, in denen Menschen sich gesehen fühlen. Die Botschaft sollte sein: Du bist gemeint - du gehörst dazu. Und die Vielfalt, aus der jedes Jahr ein anderes Programm entsteht, das immer wieder neu, anders und überraschend ist, darf auf keinen Fall verloren gehen.