Warum sind echte Geschichten heute wichtiger denn je?
Im Gespräch mit Joachim "Helli" Hellinger
25 Jahre EOFT. Das heißt für uns: 25 Jahre echte Geschichten, echte Menschen, echte Emotionen. In einer Zeit, in der Content im Sekundentakt produziert wird und mittels KI die Grenze zwischen real und künstlich immer mehr verschwimmen und ständig weiter verschoben werden, wird eine Frage immer wichtiger: Was berührt uns wirklich – und warum?
Unser Geschäftsführer Joachim “Helli” Hellinger teilt Einblicke über die Entwicklung des Filme- und Programmmachens, die Haltung der EOFT und darüber, warum Echtheit heute wertvoller ist, denn je.
Früher hat man ein Bild gesehen und gedacht: Das ist passiert. Heute fragt man sich: Ist das echt?
Wie hat sich das Filmemachen in den letzten 25 Jahren verändert?
Extrem – und in jede Richtung. Als wir gestartet sind, war Filmemachen aufwendig, teuer und unflexibel. Große Kameras, viel Equipment, wenig Spielraum. Heute entstehen kinotaugliche Bilder teilweise mit dem Smartphone. Drohnen liefern Perspektiven, für die man früher einen Helikopter brauchte.
Das hat vieles demokratisiert. Filmemacher:innen sind unabhängiger, näher am Geschehen und gelangen an Orte, die früher kaum erreichbar waren. Aber genau das ist auch die Herausforderung: Es gibt mehr Content denn je. Die entscheidende Frage ist heute nicht mehr, ob man etwas filmen kann – sondern welche Geschichte wirklich erzählenswert ist.
Was bedeutet das für die Filmauswahl der EOFT?
Gute Bilder allein reichen nicht mehr. Wir schauen heute noch stärker auf das, was hinter den Bildern liegt. Interessiert uns die Geschichte? Hat sie Tiefe? Berührt sie die Menschen? Früher war das Action-Spektakel oft ein stärkerer Treiber. Heute merken wir: Unser Publikum will tiefer eintauchen. Es geht weniger um „höher, schneller, weiter" – sondern um echte Erfahrungen, persönliche Perspektiven und Zwischentöne.
Wir interessieren uns mittlerweile weniger für das „Was" und viel mehr für das „Warum". Warum macht jemand das? Was steht auf dem Spiel? Was passiert, wenn es nicht klappt? Sind die Protagonistinnen nahbar? Ist ihre Geschichte inspirierend?
Viele Filme sehen heute spektakulär aus. Aber wenn keine echte Geschichte dahintersteckt, bleibt nichts hängen. Unser Publikum merkt das sofort. Unsere Geschichten sollen dabei nicht nur unterhalten, sondern auch etwas auslösen. Wir wollen Menschen inspirieren, selbst aktiv zu werden, Neues auszuprobieren oder die Natur wieder bewusster zu erleben. Unsere Protagonist:innen und Themen sollen nahbar sein – nicht unerreichbar.
Im besten Fall gehen unsere Besucher:innen mit Tatendrang, neuen Ideen und einem anderen Blick auf das, was draußen möglich ist, nach Hause. Gleichzeitig möchten wir mit unseren Programmen die Verbindung zur Natur stärken und Impulse senden, die über den Abend hinaus wirken.
Die EOFT war nie nur ein Filmeabend. Sie war immer ein Ort, an dem Menschen gemeinsam etwas fühlen.
Wie hebt sich die EOFT in dieser Masse ab?
Indem wir sehr klar wissen, wofür wir stehen – und das seit 25 Jahren. This is real ist für uns kein Marketing-Satz. Es ist ein Anspruch, an jede Geschichte, die wir erzählen und an jedes Programm, das wir zusammenstellen wollen. All das soll berühren und nicht nur durch Superlative beeindruckten. Dabei denken wir immer an die Vielfalt unseres Publikums: unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Perspektiven, eine gemeinsame Leidenschaft.
Gerade weil heute so viel produziert wird, wird Orientierung wichtiger. Unser Publikum vertraut darauf, dass wir genau diese Auswahl treffen.
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz?
KI eröffnet enorme Möglichkeiten – in Prozessen, Recherche, Analyse, aber auch in der Event- und Projektplanung. Damit setzen wir uns aktiv auseinander. Aber KI stellt gleichzeitig eine ganz grundlegende Frage: Was ist eigentlich noch echt?
Und genau da ist unsere Haltung klar. Wir nutzen KI dort, wo sie uns hilft. Aber nicht dort, wo sie das ersetzt, worum es uns wirklich geht: echte Menschen, reale Herausforderungen, Emotionen, die man nicht generieren kann. Geschichten, die passiert sind – nicht konstruiert wurden.
Wenn wir etwas zeigen, dann ist es passiert.
Wir zeigen nichts, was nur beeindruckt. Wir zeigen nur das, was berührt – weil es echt ist.
Warum ist dieser Ansatz gerade jetzt so wichtig?
Weil wir erleben, dass das Vertrauen in Bilder bröckelt. Früher hat man ein Bild gesehen und gedacht: „Das ist passiert." Heute fragt man sich: „Ist das echt?" Genau deshalb werden Echtheit und das gemeinsame Erleben davon plötzlich zu etwas sehr Wertvollem.
Wir haben das große Glück, mit Menschen zu arbeiten, die Dinge tun, die man sich nicht ausdenken muss. Die scheitern. Die kämpfen. Die weitermachen. Die authentisch sind. Das ist nicht optimiert, nicht perfekt – aber genau deshalb berührt es. Uns und unser Publikum.
Je mehr künstliche Inhalte es gibt, desto größer wird das Bedürfnis nach echten Erlebnissen. Das ist keine Bedrohung für uns – das ist unsere Daseinsberechtigung. Und das ist es, was die EOFT seit 25 Jahren ausmacht: Menschen zusammenbringen. Geschichten zeigen, die wirklich passiert sind. Momente schaffen, die man nicht simulieren kann.